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:: INTERVIEWS :: |
Interview für
Sonic Seducer
1.Tharen: Naja, nachdem ich bei Abigor ausgestiegen bin, habe ich ja für Amestigon und Heidenreich weiter Intros bzw. Outros komponiert. Nach einer Weile war mir das aber schlicht nicht mehr genug, da ich der Meinung war, bedeutend mehr aus meinem Material machen zu können. Ich rief dann einmal für mich die Idee einer eigenen Band ins Leben. Nachdem ich genug Material komponiert hatte, habe ich mich dann nach einer geigneten Sängerin oder einem Sänger umgesehen. Da ich Elisabeth schon von ihrem Gastauftritt bei Abigor und ihrem Engagement bei einer lokalen Demoband kannte, war die Wahl naheliegend, da ich ihre Stimme sehr mochte, und der Meinung war, dass sie perfekt zu Dargaard passen würde. Und so war es dann auch. Ich gab ihr einen Roughmix der Musik, und sie komponierte dann ihre Gesangslinien darüber. Bis zu diesem Zeitpunkt funktioniert diese Art der Zusammenarbeit sehr gut.
2. Tharen: Das neue Logo wurde von Elisabeth entworfen und von mir nachbearbeitet. Es ist unserer Ansicht nach um einiges besser als unser Erstes, das ja eigentlich nur eine Notlösung oder „Schnellschuß“ war. Das komplette Logo ist nur im Booklet abgebildet, da es nicht auf das Cover gepasst hätte.
3. Tharen:
„modern“??? HÄ? Also das wäre mir nie dazu eingefallen. Ist ja aber auch
Geschmacksfrage. Wie auch beim Logo wurde es von Elisabeth gezeichnet und von
mir nachbearbeitet. Du bist außer mir übrigens einer der wenigen, die das erste
Cover mochten. Bei Napalm haben sie uns zum Beispiel die Hölle heiß gemacht, da
sie meinten, es sei das genaue Gegenteil von „verkaufsfördernd“. Das neue Cover
gefällt ihnen schon besser, ist ihnen aber immer noch „zu düster“.
Hmm...Seltsam, nicht? Ich finde, es passt gut zu unserer Musik. Sie wollen
übrigens, dass wir das Cover zu unserer 3. Cd von dem Typen entwerfen lassen,
der auch das neue Siebenbürgen Cover und das neue Obtained Enslavement Cover
gemacht hat.Würg!Kitsch! Wir werden uns standhaft wehren!
Elisabeth: Wir fanden das Cover der neuen Cd deshalb sehr passend, da es
viele Eindrücke der Musik vermittelt: Eine Zeitlosigkeit (etwas zwischen jung
und uralt), etwas Mystisches, das eine düstere Ästhetik ausstrahlt. All das sind
Dinge, die Grundlagen für die Musik Dargaards sind.
4. Tharen:
Die Ewigkeit oder die Unendlichkeit und die Leere sind das grundlegende Konzept
der ersten 3 Dargaard Alben. Eine Trilogie also. Die 3. Cd ist übrigens schon in
Planung, ich bin mit der Musik schon ziemlich weit - der vorläufige Titel ist
„The dissolution of eternity“, und wird hoffentlich Anfang des nächsten Jahres
erscheinen.
Danke übrigens für deine Anerkennung unserer 2 Alben.
Die Ewigkeit ist für mich eine Art der Unsterblichkeit nach dem Leben.
Körperloses Sein im Strom der Kollektivität. Eine nicht-lineare Existenz eben.
Aber ich habe das ja schon genügend in meinen Texten behandelt. Es wäre mir
lieber, wenn die Hörer sich selber ein Bild davon machen. Das ist zwar eine
schon tausendmal gemachte Aussage von Textdichtern, aber ich hasse es ganz
einfach, mich dauernd zu erklären.
Elisabeth: Auch der Begriff „Zeit“ (und nicht nur die Ewigkeit) spielt
vor allem bei den beiden antiken Texten für mich eine große Rolle. Nicht der
Inhalt dieser Texte, sondern vor allem die Tatsache, durch Gesang etwas wieder
lebendig zu machen, das für 2400 Jahre nur als Schriftzeichen (auf
Altgriechisch) existierte, und die Gedanken und Emotionen eines lange Toten
nachzuempfinden, hat eine intensive Wirkung auf mich.
5. Tharen:
Siehe oben, ich glaube, das war eine kleine Erklärung meiner Denkweise.
Elisabeth: Ich denke, dass etwas von mir weiterexistieren wird, aber ich
möchte es nicht unbedingt als „Leben“ nach dem Tod bezeichnen. Was hätte da der
Tod für einen Sinn?
6.Tharen: Gute Frage. Die 2 Lieder auf „Eternity Rites“: Pt.1 und Pt.2 sind als Ritual ausgelegt, das mit „In nomine aeternitatis auf unserer 2. Cd seinen vorläufigen Abschluß findet. Ich perönlich bin sehr fasziniert von den Ritualen vergangener Kulturen, und beschäftige mich seit langer Zeit mit diesem Thema. Am interessantesten finde ich die summerischen und nordischen Kulturen, aber auch die der Inkas/Azteken und der Ägypter. In dieser Beziehung bin ich relativ offen für alles.
7. Tharen: Komisch, aber irgendwie hat das Wort „homogen“ immer einen langweiligen Beigeschmack für mich, wie „ohne Ecken und Kanten“ zum Beispiel. Ich hoffe, du meinst das nicht in diesem Sinn. Wir haben zum Beispiel das Titellied, das der gleichen Linie folgt wie „Eternity Rites Pt.1“ auf unserem Debut. Es ist auch ziemlich düster, was wahrscheinlich auch an meiner extrem verfremdeten Stimme liegt. Also, von meiner Warte aus kann ich nicht sagen, dass unsere neue Cd „wärmer“ geworden ist. Vielleicht liegt es daran, dass wir diesmal einen besseren Sound haben, an dem ich ziemlich lange herumgefeilt habe. Man kann die Cd auch leise hören, ohne dass alle Instrumente miteinander verschwimmen. Oder es ist -wieder einmal- Geschmacksfrage.
8. Tharen: Du
hast dich anscheinend wirklich damit beschäftigt. Wow - das bin ich von
Interviews gar nicht so gewohnt. Das Erschaffen von Landschaften vor dem inneren
Auge des Hörers ist in der Tat ein wichtiger Bestandteil von Dargaard. Ich mag
es sehr, wenn ich bei Musik für eine Weile die Augen schließen, und mich in eine
andere Welt versetzen kann. Das erreichen in letzter Zeit nur sehr wenige Bands
bei mir.
Meine Träume werden natürlich auch mithineinverarbeitet, sei es nun bewusst auf
einen speziellen Traum bezogen, oder unbewusst.
Elisabeth: Die angesprochenen Traumlandschaften spielen für mich beim
Komponieren der Gesangsparts eine große Rolle; ich verkörpere mit der Stimme/den
Stimmen, die ich singe, jene Wesenheiten, die diese Landschaften bevölkern -
allerdings handelt es sich dabei nicht, wie so oft angenommen, um Feen und
Elfen.
9. Tharen:
Gut, dass du Romantik im Zusammenhang mit Natur genannt hast. Ich hasse nämlich
die gerade aufkommende Verbindung von Romantik-Liebestexten und harter Musik.
Vielleicht auch noch ein Cover mit einer nackten Frau, die von einem Vampir oder
Teufel „beglückt“ wird. Der Kitsch wird meiner Meinung nach im Augenblick etwas
zu übertrieben. Was die Naturverbundenheit anbelangt, liegst du richtig, wenn du
vermutest, dass es Einfluss auf meine Texte hat. Ich liebe die Wälder in meiner
Heimat und mag das Gefühl, das sie in mir erzeugen, wenn ich alleine in ihnen
unterwegs bin.
Elisabeth: Also zur Romantik muss ich wohl nicht mehr viel sagen, da sind
wir uns einig. Was meine Beziehung zur Natur anbelangt, würde ich sogar so weit
gehen, mich als Naturmystikerin zu bezeichnen.
10. Tharen:
Das ist eigentlich nicht beabsichtigt gewesen. Ich meine, es war klar, dass
Elisabeth auf dieser CD mehr singen wird, aber der Rückzug meiner Stimme ergab
sich mit dem Material. Auf unserer nächsten Cd wird man wohl wieder mehr von mir
zu höre bekommen.
Elisabeth: Hinzu kommt, dass ich bei der ersten Cd erst in der Endphase als
Sängerin hinzugezogen wurde (es war Tharen ja beim Komponieren der Musik dafür
noch gar nicht klar, ob er einen Mann oder eine Frau dabeihaben würde), während
bei der zweiten Cd von Anfang an unsere Zusammenarbeit feststand und einfach
mehr Lieder dabei waren, die sich für meine Stimme bzw. überhaupt für
vielstimmigen Gesang anboten. Da die neue Cd auch symphonischer angelegt ist,
war es nur logisch, auch mehrstimmigen Gesang (was ja mit einer
„geräuschbetonten“ Stimme schwer möglich ist) dafür zu erarbeiten.
11.Tharen:
“Dead Can Dance“? Nein, es ärgert mich nicht, da ich sie sehr schätze.
Musikalische Parallelen? Nicht allzu viele - vielleicht mit ihren Frühwerken,
doch sicher nicht bei ihren „Safari“-Cd´s, die doch sehr vom ursprünglichen Stil
abgewichen sind. Was für einen Musikstil spielen sie überhaupt? Und wir?
Hmmmm...
Elisabeth: Einerseits ist es natürlich schmeichelhaft, mit einer Band wie
Dead Can Dance verglichen zu werden, da wir auch beide ihre Musik sehr schätzen.
Andererseits ist es aber ein bei zu vielen Bands und auch oft sehr hinkend
angewandter Vergleich, der meiner Meinung nach meist dadurch aufkommt, dass sich
einfach noch nicht so viele Gruppen in dieser Stilrichtung bewegen. Und in
diesem Fall wird dann oft eine Vorreiterband herangezogen, wie z. B. zu Beginn
der Gothic Metal-Welle immer wieder Paradise Lost. Dazu lässt sich noch sagen,
dass Gothic sicher noch eine geringere Stilvariation zulässt.
12.Tharen:
Das war eigentlich bei der ersten Cd eine Zufallsfrage. Mir gefällt einfach Blau
sehr gut, und ich mag den Kontrast zwischen Rot und Blau. Bei unserer 2. Cd
haben wir es dann auch so gemacht, weil es am besten zu dem Artwork passt. Das
Bild in einer anderen Farbe kommt einfach nicht so gut. Außerdem ist blau eine
sehr kalte Farbe, die perfekt zu unserem Konzept passt.
Elisabeth: Ich habe ein ähnliches Motiv schon einmal vor längerer Zeit
schwarz auf blauem Hintergrund ausgeführt. Für mich gab es für den Ausdruck der
dargestellten Stimmung keine andere mögliche Farbwahl, Blau vermittelt bei mir
den Eindruck einer sehr kühlen und klaren Ruhe, ich umgebe mich gerne damit.
13. Tharen:
Du wirst es nicht glauben, aber wir hatten bei jedem Interview bis jetzt so eine
Frage.
Ich möchte dazu nur so viel sagen: Ich finde die Demonstrationen gut, da sie
zeigen, dass die Bürger Österreichs auch mal aus ihrer Lethargie erwachen und
ihre Meinung kundtun können. Meiner Meinung nach waren aber die Reaktionen des
Auslands eindeutig übersteuert. Österreich ist doch kein Land voller Nazis
geworden. Es gibt doch bitte viel größere Probleme als die FPÖ. Tschetschenien
war ein gutes Beispiel. Aber das ist ja so weit weg, das interessiert nicht
wirklich viele Leute. Zitat: “Es ist ja schrecklich, aber was soll man denn
tun?“. Haider ist ja jetzt als Parteiführer zurückgetreten...Wir werden sehen...
Elisabeth: Ich bin zwar über die jetzige politische Lage nicht gerade
hocherfreut, aber als demokratisches Wahlergebnis muss ich es wohl akzeptieren,
solange die Grenzen der Demokratie auch eingehalten werden. Ich denke, dass die
stets emotional manipulierenden Boulevardmedien und die Befürchtung, im eigenen
Land könnte ein Rechtsruck erfolgen, in vielen Staaten zu einer eben überzogenen
Reaktion geführt haben.
14.Elisabeth: Ich muss gestehen, dass ich von einer solchen Diskussion bisher nicht allzu viel mitbekommen habe - vielleicht liegt es daran, dass ich mit keinen „selbsternannten“ Elitisten verkehre. Und ansonsten: Ho, ho, ho!
15.Elisabeth: Nun, Antichrisis muß ich ja jetzt nicht mehr mit Dargaard und dominion unter einen Hut bringen, da wir uns getrennt haben. Sowohl meines damaligen Zeitmangels, der räumlichen Distanz und auch einer Entwicklung in unterschiedliche musikalische Richtungen wegen... Ich bevorzuge doch etwas düsterere Musik. Tatsächlich ist es so, dass, wie du es nennst, sehr wenig schauspielerische Fähigkeit (sich in gewisse Emotionen zu versetzen) für den Gesang bei Dargaard nötig ist, da diese Stimmungen und Bilder mir sehr stark entsprechen.
16. Elisabeth:
Du solltest nicht glauben, wie viele versteckte oder weniger versteckte
sexistische Vorurteile noch immer in der Musikszene existieren. In manchen
Interviews schlägt einem das dann voll entgegen: “You are a beautiful girl. I
hope you will come to my country so we can drink something together. Could you
please pass me Tharen again so we can continue the interview.” Heftig, nicht?
Einerseits spiegelt es wohl ein noch in der Gesellschaft verankertes Bild wider,
andererseits prägen gerade solche Leute durch das, was sie da von sich geben
eben dieses. Es kommt immer wieder vor, dass einer Frau der kreative Anteil der
Arbeit abgesprochen wird und sie zur reinen Interpretin abgestempelt wird.
Dargaard ist für mich die Möglichkeit, Inneres auszuleben - und es ist mir so
wichtig, dass ich nicht vollbeschäftigt arbeiten wollte, um für die Musik genug
Zeit und Energie zu haben.
Tharen: Für mich ist Dargaard eines der wichtigsten Dinge auf dieser
Welt. Wer weiß? Vielleicht wäre ich schon tot, hätte ich Dargaard nicht
gegründet? Ich kenne Leute, die einen Beruf haben und jeden Urlaub darauf
verwenden, ins Studio zu fahren und Musik aufzunehmen. Ich denke nicht, dass ich
für einen „normalen“ Job geeignet bin.
17. Tharen:
Neben Dargaard sind Elisabeth und ich auch noch bei dominion tätig. Das Debut
„The hand and the sword“ wird im Mai auf Napalm Records erscheinen. Es handelt
sich bei dominion um „apocalyptic electronic music“, eine Mischung aus
Industrial, Elektro und Ambient Music. Nicht wirklich vergleichbar mit Dargaard,
da es heftiger ist und einen maschinellen Sound hat. Dann bereiten wir gerade
ein neues Amestigon Demo vor, bei dem ich jetzt Schlagzeug spiele und singe. Die
Vocals teile ich mir übrigens mit Silenius(Ex-Abigor/Summoning). Dann haben wir
noch 2 neue Gitarristen... Wir spielen aber immer noch rauhen Black Metal in der
Richtung alter Darkthrone.
Ach ja...Mit Dargaard werden wir wahrscheinlich auf dem Wave/Gothic Treffen in
Leipzig ein Konzert spielen.