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Interview für Dark Site


1. Welche Stellung hat die Musik in Deinem Leben?
Tharen: Für mich ist Musik immer schon eines der wichtigsten Dinge überhaupt gewesen. Ich sehe das jetzt nicht nur als Musiker, sondern auch als Hörer verschiedenster Musikgattungen.
Elisabeth: Immerhin spielt die Musik bei mir eine so große Rolle, dass ich nicht vollbeschäftigt arbeiten wollte, um genug Zeit und vor allem Energie dafür zu haben; Musik war in meinem Leben sicher von Kindertagen an prägend...

2. Findest Du Anregung in klassischen Kompositionen und oder Film-Soundtracks?
Tharen: Natürlich höre ich gerne klassische Komponisten wie Grieg, Wagner u.ä., habe auch großen Respekt vor ihren Kompositionen. Direkt inspiriert fühle ich mich aber nicht von ihnen, da es mir gar nicht möglich wäre, klassische Kompositionen in dieser Art nachzuempfinden oder auch nur zu spielen. Schon näher kommen wir der Sache mit Soundtracks von „monumentalen“ Filmen wie z.B.: Braveheart. Diese Musik kann auch ohne den dazugehörigen Film Bilder in meinem Kopf entstehen lassen und intensive Gefühle hervorrufen-und das möchte ich auch mit Dargaard bewirken.
Elisabeth: Da bereits meine Kindheit stark durch klassische ( und auch mittelalterliche ) Musik geprägt war, schließe ich es nicht aus, dass mein Stil, Gesangsarrangements aufzubauen, auch dadurch beeinflusst wird; allerdings finde ich die Ausführung in dem heute üblichen Gesangsstil eher abstoßend, da Opernstimmen bei mir immer den Eindruck von etwas Unnatürlichen erwecken, ich bevorzuge da wohl eher Gesang mit mehr natürlichem, klaren Ausdruck.

3. Welche Filme bedeuten Dir viel? Worin liegen Deine Literatur- und Malereivorlieben?
Tharen: Neben dem oben angesprochenen Film gibt es auch noch „moderner“ ausgelegt Filme wie z.b.: „Angel Heart“, die mich inspirieren. Eben diesem Film habe ich mit „The Angel´s delusion“ auf der Debut Cd „the hand and the sword“ meines Projektes „dominion“ gehuldigt. Mikey Rourke war fantastisch, und die Story sehr eindrucksvoll, eine neue Art des klassischen Faust.
Hauptsächlich lese ich Fantasyromane wie „Dragonlance“, „Forgotten Realms“, und natürlich Tolkien oder einige Sachen von Holbein. Auch etliche Bücher über Okkultismus, das Mittelalter und verschiedene Abhandlungen über alte Kulturen wie die Ägyptische, sumerische, über Mayas, Azteken und Inkas finden sich in meiner Bibliothek.
In Malerei bin ich nicht sehr bewandert, auch wenn ich Bilder von Kubin, Giger und ähnlichen schätze.
Elisabeth: Ich mag Filme, die eine starke Bildersprache haben, unter anderem „Engel aus Staub“, „Strange Days“ und „American History X“; außerdem habe ich eine gewisse Vorliebe für seltsame Stummfilme und uralte SW-Filme, die in meiner Umgebung übrigens immer Erheiterung und Ungläubigkeit hervorruft. Mein ungeschlagenes Lieblingsbuch ist Patrick Süßkinds „Das Parfum“, ansonsten lese ich gerne H. P. Lovecraft u. ä. und Bücher über Biologie, Geschichte und Kunst. Meine bevorzugten Kunstepochen (die Malerei betreffend) sind Renaissance und Jugendstil; außerdem kann ich mich seit längerer Zeit für die Künstlervereinigung „Der blaue Reiter“ begeistern (10er Jahre).

4. Was fällt Dir so spontan zum Begriff "Romantik" ein?
Tharen: Natur und alte Ruinen. Ich hasse Liebestexte in Verbindung mit Musik.
Elisabeth: In dieser Frage sind unsere Meinungen wohl sehr ähnlich; ich bringe damit auch wohl eher Landschaften und uralte Gebäude in Verbindung. Und es gibt wenige Liebeslieder, bei denen ich nicht den Reiz verspüre, mich in Lachkrämpfen am Boden zu wälzen.

5. Ich kenne wenige Werke die eine ähnlich vielschichtig-dichte und (traum-)suggerierende Atmosphäre aufweisen wie die Dargaards: Wie/Wann entsteht solch ein Stück?
Tharen: Puhhh...schwer zu beantworten...Wie und wann sind absolut unterschiedlich. Wieso ist trifft schon eher den Kern der Sache: weil ich wieder einmal in eine andere Welt eintauchen will-Musik ist einer der wenigen Wege dorthin.
Elisabeth: Bei mir ist die Frage wohl leichter zu beantworten; die Gesangslinien entstehen in einem entspannten Klima beim Anhören der Musik, manchmal fallen mir die Linien aber auch ganz plötzlich in anderen Situationen ein.

6. Die Leere ist ja wiederkehrendes Motiv in Deinen Texten: Kann man es sich also derart veranschaulichen, daß um etwas Substantielles (das sich ausdehnen kann/will) zu schaffen, man zuerst Platz dafür bzw. eine enorme "füllbare Leere" in sich haben muß?
Tharen: Lass es mich so erklären: um Dargaard wirklich erleben zu können, muss man beim Hören das Gefühl haben, dass man etwas gefunden hat, von dem man bis jetzt nicht einmal gewusst hat, dass man es vermisst. Das ist ein Aspekt der „unbewussten“ Leere. In meinen Texten gehe ich aber etwas „kosmischer“ an das Thema heran, soll heißen, dass ich mit der Leere eine höhere Existenz verdeutlichen will, losgelöst von irdischen, sterblichen Werten und moralischen Vorstellungen.

7. Mir fällt auf, daß drei Stücke ("Down to the halls of the blind", "Seelenlos" und "Only the blind can see...") - symbolisch - das Blindsein behandeln: Bezieht sich dies auf ein In-Sich-Schauen/Besinnen in der Weise eines C. D. Friedrich ("Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen nach innen.") oder geht's dabei vielmehr um das Seherische/Prophetische?
Tharen: Absolut. Schau dir einmal Meditationstechniken an: Man sieht in sich hinein, ist also blind nach außen hin, um das Nichts, die Leere, oder „Mu“, wie sie in fernöstlichen Religionen genannt wird, zu finden.
Andererseits hat es damit zu tun, dass Blinde sich eben nicht auf das Sehen verlassen können, und dadurch verstärkt andere Sinne gefördert werden. Ein Beispiel, um das Ganze nicht zu esoterisch werden zu lassen: Versuche einmal, mit einem Blinden in einem dunklen Raum Verstecken zu spielen, hahaha.
Elisabeth: Bei dem Stück „Only the blind can see“ hatte ich bei der Zusammenstellung der Stimmen (eine Stimme und eine dazu etwas unterschiedliche Echostimme) schon den Gedanken an Selbsterkenntnis und die Dinge, die im Unbewussten verborgen liegen, im Kopf (wie im obigen Zitat angesprochen).

8. "Here time is the traveller and i am the constant" - steht diese Zeile im Zusammenhang mit der
Astral-Reise-Thematik? Zieht der Kosmos an einem vorüber, während man das passive Zentrum ist -
oder wie kann man sich als Außenstehender den damit verbundenen (Trance?-)Zustand vorstellen?
Was motiviert Dich zu derlei Praktiken: Ist es vergleichbar einer "Weltflucht" im romantischen und
philosophischen Sinn - quasi das Streben zu einer höheren, reineren und freieren (auch individuelleren) Realität?

Tharen: Die Phrase bezieht sich auf das Haupttheme unserer Trilogie: Die Unendlichkeit, im spezifischen auf eine nicht lineare Existenz. Das ist meiner Meinung nach der höchste Zustand, den man erreichen kann(oder auch nicht?Ich habe es noch nicht geschafft...). Wie viele Aspekte in Dargaard kann man aber auch diesen Spruch und den dazugehörigen Text auf viele Arten interpretieren- ich habe auch noch nicht den endgültigen Sinn dahinter entdecken können, und ich habe sie geschrieben, verdammt!
Gut, soviel dann erst einmal zum abstrakten Ausflug :)

9. Wie ist eigentlich Dein Verhältnis zu Abigor - kannst Du mit deren Musik/Einstellung noch was anfangen oder allgemein mit dem Black-Metal anno 2000?
Tharen: Naja, von der letzten Veröffentlichung Abigor´s war ich nicht so begeistert wie früher. „Channeling...“ hatte für mich nicht mehr die Mystik von „Orkblut“, „Supreme Immortal Art“, oder auch “Apokalypse”, das ja meiner Meinung nach das extremste ihrer Werke ist. Mal sehen, was sie auf der nächsten Cd machen, die ja wahrscheinlich ohne Thomas aufgenommen wird.
Black Metal im allgemeinen wird -leider- etwas ins lächerlich gezogen, besonders in Verbindung mit der vor einiger Zeit aufgekommenen Fusion von Black Metal und Gothic oder Vampire-Image. Ich hasse kitschige Cover mit nackten Frauen und lächerlichen Teufelchen oder Vampiren darauf. Ich kann mich eher mit dem „Darkthrone-Image“ im Sinn und zur Zeit von „A blaze...“ identifizieren. Das sind dann auch meine musikalischen Vorlieben, wenn es um Black Metal geht.

10. Da redaktionsintern - wie auch im Forum und sonstwo - die Burzum-Diskussion (also v.a. ob bzw. wie man mit der Kunst dieses Mannes (unbefangen) umgehen darf bzw. was von dieser zu halten ist) immer wieder gern und jedenfalls mit viel Leidenschaft geführt wird: Wie ist da Deine Position?
Tharen: Einerseits ist das Thema ja schon ziemlich ausgelatscht, andererseits habe ich so eine Frage noch nicht beantwortet: Burzum(oder Grishsnack) schätze ich sehr für seine frühen Werke bis „Filosofem“. Was danach kam, ist für mich nur noch Dreck. Schade aber wahr. Vielleicht findet er ja seine E-Gitarre irgendwann mal wieder? Ich gehe aber unbefangen an seine Musik heran, da er ja meines Wissens nach nichts direkt politisches darin eingebaut hat. Ich meine, der Typ sitzt lebenslang im Gefängnis und muss jetzt solche Musik machen...Was für eine Strafe!
Wenn man Burzum wegen der politischen Attitüde nicht hört, müsste man prinzipiell auch Mayhem boykottieren, da Euronymous ja bekennender Kommunist war, und die ja auch keine „Heiligen“ waren und sind. Aber kritisch bleiben ist auf jeden Fall der richtige Weg, und Politik im Black Metal der falsche. Da ist dann aber auch noch die Tatsache, dass Black- oder Death Metal an sich keine pazifistische oder menschenfreundliche Neigung offenbart, egal bei wem.
Elisabeth: Die Musik von Burzum war für mich eines der ersten Dinge aus der Richtung Black Metal, die ich kannte und sehr mochte. Von seiner politischen Einstellung und seinen sexistischen Äußerungen halte ich nicht gerade viel, ich könnte mich aber auch nicht als emanzipiert und weltoffen bezeichnen, wenn ich nicht trotzdem die künstlerischen Aspekte der früheren Werke schätzen könnte. Da hätte ich dann auch Probleme mit Richard Wagner und einem ganzen Haufen anderer Komponisten, die ihre Musik mit irgendwelchen fanatischen Ideologien in Verbindung brachten.

11. Weiterhin würde mich - freilich in kurzer Form - Deine Meinung zu (r Entwicklung der) folgenden Gruppen interessieren:
Tharen:
Die Verbannten Kinder Evas: Gute Freunde, gute Musik.
Weltenbrand: Waren mir auf ihrem Debut zu minimalistisch, und ihre Sounds gefielen mir nicht. Ich habe aber leider keine neueren Sachen von ihnen gehört.
Summoning: Nach der etwas zu „soften“ „Nightshade Forests“ Mini Cd spielen sie heute wieder etwas härter. Ein Glück!
Dornenreich: Habe ich leider noch nicht gehört, aber Peter von Abigor scheint recht begeistert zu sein. Da er ziemlich kritisch ist, dürfte die Cd wohl gut sein...
Emperor: Geniale Band, geniale Musiker, nur „Equilibrium IX“ war mir zu geschliffen, sie hatte für mich nicht den hymnenhaften und doch rauhen Charakter der ersten 3 Cd´s. Ich liebe immer noch die Split-Cd mit Enslaved.

Tharen: Danke für das Interview, war sehr interessant!

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